TSV 1894 Kusterdingen e.V.

Anja Karau beim Großglockner Ultra-Trail erfolgreich

Fotos: Privat

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Anja Karau bewältigte in 20:36 Stunden den Großglockner Ultra-Trail über 110 Kilometer, hier ihr Erlebnisbericht:

Kaprun, 22./23. Juli 2016 – GGUT

Am 21. Juli ging es nach Kaprun – einmal um den Großglockner nonstop mit 110 km und 6.800 HM, so der Plan, was eigentlich als 7 tägige Wanderung angegeben ist. Schon als kleines Kind faszinierte mich der Berg – eine Art weißer Riese war das für mich,  allerdings musste ich feststellen, dass  so viel, wie ich es in Erinnerung hatte, leider gar nicht mehr da war– Klimawandel lässt grüßen, es war wohl doch schon ein ganzes Weilchen her, dass ich dort war. Die Wetterprognose war nicht gerade ermutigend: Gewitter und Regen waren für Samstag angesagt, aber es blieb ja noch ein bisschen Zeit und in meinem Optimismus dachte ich mir, dass das angekündigte Gewitter möglicherweise schon vorher kommt, oder ich mich dann in einem anderen Tal befinde. Am Donnerstag habe ich mir dann schon mal einen Teil der Strecke angeschaut, Höhenluft geschnuppert, um den Körper entsprechend zu akklimatisieren. Die Vorfreude stieg stündlich und endlich war es soweit.
Freitagnacht ging es um 23:00 Richtung Start – Abgabe der Drop Bags und das Briefing waren angesagt. Erste Ernüchterung, denn der Veranstalter rechnete aufgrund der Wetterlage mit einer etwa 2 stündigen Rennunterbrechung. Egal-  sagte ich mir, wenn, dann trifft es ja nahezu alle gleich. Frohen Mutes ging es also pünktlich um 00:00 endlich los. Es ging zunächst durch Kaprun über Fusch Richtung Ferleiten und der erste längere Anstieg ließ nicht lange auf sich warten. Die Bedingungen aus meiner Sicht optimal und ich konnte zügig die Anstiege hinter mich bringen. Laufen in den Bergen bei Nacht ist einfach herrlich. Teilweise hatte ich allerdings etwas Schwierigkeiten mit der Streckenfindung und so hatte ich mich gleich auf den ersten 20 km zwei Mal verlaufen – ärgerlich, aber abhaken und weiterrennen. Nach der ersten Verpflegungsstation ging es hoch zur Pfandlscharte bis auf 2.800 m. Der Anstieg von rd 1.700 HM  ging erstaunlich gut, was sicher an der Schönheit der Landschaft lag. Es war sehr abwechslungsreich: vorbei an vielen kleinen Wasserfällen, durch herrliche blühende Hänge und letztlich ging es an der ersten kleinen Gletscherzunge vorbei, ein Schneefeld musste bezwungen werden und schließlich war ich pünktlich zum Sonnenaufgang oben auf der Scharte – was für ein herrlicher Anblick und in diesem Moment weiß man, warum man hier ist und so etwas macht.
Über der Scharte hinweg ein atemberaubender Anblick Richtung Glockner, immer wieder ging es über Schneefelder, gefolgt von fluffigen Trails ging es leicht bergab Richtung Glocknerhaus. Die Verpflegungsstationen waren perfekt: Obst, Cola, Iso, Kuchen, Käse Nudelsuppe und v.a. äußerst freundliche und hilfsbereite Damen und Herren warteten dort auf uns.
Weiter ging es über die Salmhütte und Pfortscharte Richtung Stüdlhütte. Man konnte sich nicht satt sehen, an dieser herrlichen Landschaft – zwischenzeitlich hatten wir strahlend blauen Himmel, Blick auf den Glockner und seinen großen Gletscher. Schließlich ging es zur Wechselstation nach Kals. Hier wurde es zwischendurch etwas langatmig, denn man wusste eigentlich, dass die Dropbag Station kommt, aber der Veranstalter ließ uns noch eine kleine Extraschleife ziehen. In Kals war ich recht zufrieden mit meiner Zeit und ich fühlte mich immer noch sehr gut. Frisch gestärkt habe ich nach 18 Minuten die Station verlassen um den langen Anstieg Richtung Nationalpark Hohe Tauern anzugehen. Über einen in Stein gehauenen Steig durch die Dabaklamm ging es durch ein wunderschönes Tal und Blumenmeer zu den Kalser Tauern auf 2.500 m. An der Rudolfshütte hatte ich mich dann nochmals ausgiebig gestärkt um die letzten Kilometer in Angriff zu nehmen. Das Wetter zog mittlerweile etwas zu und somit versuchte ich schnellst möglich den letzten hohen Punkt, das Kapruner Törl auf 2.800 m noch hinter mich zu bringen. Zuvor musste jedoch noch ein technisch sehr anspruchsvoller Abstieg bezwungen werden. Die Wege waren sehr verblockt und man musste jeden Schritt achtsam setzen, denn dort zu stürzen…..wollte ich mir lieber nicht vorstellen und habe diesen Gedanken schnell bei Seite geschoben. Statt des angekündigten starken Gewitters wurden wir Läufer jedoch nur mit einem rund 20 minütigen mäßiger Regenschauer erfrischt – was für ein Glück, denn genau in diesem Moment war ich im letzten langen schönen Anstieg und die Erfrischung kam genau zum richtigen Zeitpunkt.  Nach dem Kapruner Törl wartete ein langes Schneefeld auf uns. Teilweise konnte man wie auf Skiern ein Stück ins Tal rutschen – es war herrlich und ein Riesenspaß. Der größte und schwierigste Teil war somit geschafft. Die letzten 20 Kilometer Richtung Kaprun waren recht einfach zu laufen – an Stauseen entlang, immer wieder mussten Wildbäche gequert werden und wir konnten atemberaubende Ausblicke auf große und schöne Wasserfälle genießen. Um kurz nach halb neun habe ich dann überglücklich das Ziel in Kaprun als 6. Frau (Platz 2 in  der AK W40 gesamt Platz 33) von insgesamt 310 Startern erreicht. Es war ein mehr als beeindruckendes Erlebnis von dem ich noch lange zehren werde und die Freude, dass man so etwas machen und schaffen kann ist riesengroß.
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